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Was ist Dir Dein Logo wert?

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Ich werde immer wieder gefragt, was ich von Designportalen wie designenlassen, fiverr oder 99designs halte, wo man als Auftraggeber für wenig Geld z. B. zum eigenen Logodesign kommt.

Ich sage: nutzt das besser nicht! Ein Logo ist ein essentieller Teil des Corporate Designs einer Firma, es transportiert die Botschaft, das Image und ist das, woran sich die Kunden erinnern. Ihm fällt also eine wichtige Rolle zu. Grafiker und Auftraggeber haben im Vorfeld ein Profil der Firma erarbeitet, Fragen gestellt und sind vermutlich in mehreren Durchläufen zum endgültigen Ergebnis gekommen – ein Logo, was wirklich zur Firma passt.

Führen wir uns mal vor Augen, wie es auf den Designportalen abläuft: ein Auftraggeber stellt ein mehr oder weniger umfangreiches Briefing ein. Man erfährt selten etwas über die Firma und deren Image, dafür oft über die Wünsche des Auftraggebers bzgl. Farbe und Schrift. Das muss nicht schlecht sein, wenn er sich im Vorfeld intensiv mit seinen Vorüberlegungen auseinandergesetzt hat, aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass es oft nicht so ist. Man kann als Grafiker natürlich Rückfragen stellen, aber bis man eine Antwort erhält, können manchmal Tage vergehen.

Hat man dann einen Entwurf fertig, stellt man fest, dass man nicht der einzige ist, sondern dass im schlimmsten Fall noch über 100 andere Entwürfe zu dem Projekt hochgeladen wurden. Man befindet sich also mit dutzenden anderer Grafikdesigner in einem Wettbewerb um einen Etat, der in den meisten Fällen für ein Logodesign viel zu gering ausfällt. Bei designenlassen fangen die Logodesigns bei ca. 150 Euro an, meine ich. Wenn man Pech hat, hat man sich jede Menge Arbeit gemacht (verschiedene Varianten, Farben, Schriften etc.) und geht am Ende trotzdem leer aus, weil der Kunde sich für einen anderen Entwurf entschieden hat. Man hat also viel Arbeit geleistet, ohne am Ende etwas dafür zu bekommen.

Jetzt wird sich der ein oder andere vielleicht denken „Interessiert mich doch nicht, was mit dem Grafiker ist, Hauptsache ich kriege mein Logo!“ Klar, für Auftraggeber hört sich das erstmal gut an: man stellt einen Auftrag ein und bekommt jede Menge verschiedene Designs, aus denen man sich dann ein Logo aussuchen kann. Wenn ihr dort aber auf der Suche nach einem individuellen und auf eure Firma zugeschnittenem Logo seid, dann seid ihr bei solchen Portalen falsch. Die wichtige Vorarbeit, das miteinander Reden und Brainstormen zwischen Grafiker und Kunde, findet auf diesen Portalen nicht oder nur sehr eingeschränkt statt. Außerdem: bei dem geringen Preisgeld, was dort oft für ein Logo gezahlt wird hat man als Grafiker kaum Zeit, sich damit auseinander zu setzen (oder man arbeitet nicht kostendeckend). Die Logos dort sind handwerklich sicher einwandfrei, aber eben Logos „von der Stange“. Oft werden Entwürfe, die man schon einmal eingereicht hat, die aber nicht genommen wurden, nochmal mit Veränderungen wiederverwertet. Man steht als Grafiker enorm unter Druck, weil man schnell arbeiten muss und die Konkurrenz riesig ist. Alles, was Zeit spart wird also gerne genommen.

Und jetzt mal ehrlich: wenn ich hunderte Logodesigns serviert bekomme und die alle durchgehen muss, um eine Entscheidung zu fällen, schwirrt mir der Kopf. Bei so viel Auswahl ist man schnell überfordert und trifft nicht immer die beste Entscheidung.

Warum ich euch das alles erzähle? Weil es auch etwas mit Respekt und Wertschätzung der Arbeit anderer zu tun hat (es geht ja nicht nur Grafikern so, diesen ganzen Text kann man auch wunderbar auf andere Branchen übertragen). Man kann über alles reden. Wenn ich das Gefühl habe am anderen Ende sitzt jemand, der gute Arbeit zu schätzen weiß und nicht nur kleine Preise, dann finde ich da auch mit demjenigen zusammen eine Lösung, wenn das Budget grad nicht so locker sitzt.

Ich selber habe bis vor Kurzem auch ab und zu an Projekten auf designenlassen teilgenommen, allerdings habe ich immer nach fair bezahlten Projekten Ausschau gehalten und nach solchen, die mein Portfolio gut ergänzen würden oder an denen ich Spaß hätte. Logodesigns habe ich weniger eingereicht, aus den oben genannten Gründen. Es gibt einige Designer, die eine Mischung machen (designenlassen + Auftragsarbeit) und damit gut leben können. Letzten Endes kann man sich natürlich immer aussuchen, an welchen Projekten man teilnimmt. Ich denke, das hat viel mit der eigenen Einstellung zu tun. Will man den Billig-Trend in der Branche noch weiter befeuern und damit all jene bestärken, die Anhänger dieses Konzeptes sind oder steigt man nicht drauf ein und versucht, seinem Umfeld und seinen Kunden den Wert der eigenen Arbeit (und auch der anderer) nahezubringen, sie dafür zu sensibilisieren?

Es steckt viel Hirnschmalz, Herzblut und KnowHow in so einem Logo, viele Stunden Arbeitszeit vor dem Computer oder mit Bleistift und Papier, um am Ende DAS Logo zu finden, das zu eurer Firma und euch passt. Soviel Einsatz sollte euch mehr Wert sein als 150 Euro.






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